Selfhosting-Einstieg: Mit einem gebrauchten Thin Client und Proxmox starten
Wer eigene Daten und Dienste selbst hosten will, muss dafür nicht viel Geld ausgeben oder sich einen Server-Schrank in den Keller stellen. Für den Einstieg reicht gebrauchte Business-Hardware für ein paar Euro völlig aus. In diesem ersten Artikel geht es um die Hardware-Frage, die Proxmox-Installation und die Wahl des ersten Dienstes.
Warum ein Thin Client statt Raspberry Pi?
Die naheliegende Empfehlung im Netz ist oft der Raspberry Pi. Für den Einstieg ins Homelab ist ein gebrauchter Thin Client mit x86-CPU aber die deutlich bessere Wahl:
- Echte Virtualisierung statt Umwege: x86-CPUs in Thin Clients (AMD GX-4xx, Intel Celeron/Pentium Silver) unterstützen Hardware-Virtualisierung (AMD-V bzw. Intel VT-x). Proxmox VE braucht genau das, um vollwertige VMs zu betreiben – nicht nur Container. Auf dem Raspberry Pi (ARM) läuft Proxmox nur experimentell, und viele fertige Appliances gibt es schlicht nur für x86.
- Software-Kompatibilität: Der Großteil der Homelab-Welt (Docker-Images, fertige VM-Appliances, TrueNAS, OPNsense/pfSense, Windows-VMs zum Testen) ist für x86_64 gebaut. Auf ARM gibt es ständig Kompatibilitätsprobleme.
- Bessere Ausstattung fürs Geld: Ein Thin Client bringt oft schon eingebauten eMMC/SSD-Speicher, mehr RAM-Ausbau (bis 16 GB), Gigabit-LAN und manchmal sogar einen PCIe-Slot mit – Dinge, die man beim Pi erst über Zubehör nachrüsten und bezahlen muss.
- Preis-Leistung: Ein gebrauchter Thin Client kostet oft weniger als ein neuer Raspberry Pi 5 mit Zubehör (Gehäuse, Netzteil, SSD-Adapter) – und man bekommt dafür eine vollwertige x86-Plattform mit Lüfter, Metallgehäuse und Enterprise-Verarbeitung.
- Stromverbrauch bleibt niedrig: Thin Clients sind für den Dauerbetrieb im Büro gebaut und ziehen im Leerlauf meist nur 5–15 Watt – vergleichbar mit einem Pi, aber mit deutlich mehr Rechenleistung.
Konkrete Modelle und Preise auf eBay
| Modell | CPU | typischer Preis (gebraucht) | Eignung |
|---|---|---|---|
| Fujitsu Futro S740 | AMD GX-217GA (2-Kern) | ca. 30–40 € | Einstieg, einfache Dienste |
| Fujitsu Futro S920 | AMD GX-415GA (4-Kern), bis 16 GB RAM, PCIe | ca. 40–80 € | guter Allrounder, beliebt für pfSense/OPNsense |
| Fujitsu Futro S940 | Intel Pentium Silver J5005 (4-Kern), PCIe | ca. 60–100 € | mehr Leistung, Transcoding-tauglich |
| Dell Wyse 5070 | Intel Pentium/Celeron J-Serie | ca. 50–70 € | gute Anschlussvielfalt |
| HP T640/T740 | AMD Ryzen Embedded | ca. 80–120 € | mehr Power, PCIe-Slot beim T740 |
Worauf beim Kauf achten:
- Mindestens 8 GB RAM anstreben (4 GB reicht knapp für den Einstieg, wird aber schnell eng), idealerweise auf 16 GB aufrüstbar
- Interner Speicher (eMMC/mSATA/M.2) – notfalls per SSD/USB-Stick nachrüsten
- Netzteil sollte im Angebot enthalten sein (sonst Zusatzkosten)
- CPU-Modell vorher kurz googeln, ob AES-NI und Virtualisierung unterstützt werden (bei den genannten Modellen der Fall)
Proxmox installieren
- ISO von proxmox.com herunterladen, auf USB-Stick schreiben (z. B. mit Rufus oder balenaEtcher)
- Am Thin Client Boot-Reihenfolge/USB-Boot im BIOS aktivieren
- Proxmox VE installieren (Standardinstallation reicht für den Einstieg völlig aus)
- Danach per Browser über
https://<IP-des-Geräts>:8006auf die Weboberfläche zugreifen – ab hier lassen sich VMs und LXC-Container bequem per Mausklick anlegen
Was als erste Anwendung sinnvoll ist
Nicht gleich mit einer komplexen Nextcloud- oder Media-Server-Installation starten, sondern mit etwas, das wenig Ressourcen braucht, sofort spürbaren Nutzen bringt und die Grundlagen von Proxmox/LXC vermittelt, ohne zu überfordern.
Empfehlung: Pi-hole oder AdGuard Home als erster LXC-Container. Beide blockieren Werbung und Tracker netzwerkweit über DNS, sind in wenigen Minuten eingerichtet und liefern ein direktes "Wow, das funktioniert!"-Erlebnis, weil man den Effekt sofort auf jedem Gerät im Netz sieht.
Als zweiten Schritt danach bieten sich an:
- Home Assistant (bei Smart-Home-Interesse) – am besten als eigene VM, da es eng mit Kernel/USB-Passthrough arbeitet
- Nextcloud oder Immich für eigene Cloud/Fotos, sobald genug Speicher angeschlossen ist
- Portainer + Docker in einem LXC, um danach beliebige weitere Dienste (Vaultwarden, Uptime Kuma, …) unkompliziert per Container nachzurüsten
So wächst das Homelab organisch: erst ein kleiner, nützlicher Dienst zum Kennenlernen von Proxmox, dann Schritt für Schritt mehr. Dieser Blog hier läuft übrigens später selbst als statische Seite in genau so einem Homelab – dazu mehr in einem der nächsten Artikel.